Jan Vriend: „Unsere Visitenkarte nie loslassen“

Foto: Ingrid Truijens

Der Zuchtrat hat seit Anfang des Jahres einen neuen Vorsitzenden: Jan Vriend. Der pensionierte Nordholländer züchtet im kleinen Rahmen Friesenpferde, Tuiger und Hühner. „Ich habe das Züchten in meinem Herzen.“
Sein Friesenstute Voekjen Kroon AAA (Teeuwis 389 x Tamme 276) hat gerade ihr elftes Fohlen zur Welt gebracht: Renske fan Meren-State (Wibout 511). „Das Fohlen war etwas früh, aber es ist alles gut gegangen“, erzählt Jan Vriend erleichtert. Seine fünfzehnjährige fruchtbare Stute aus Stamm 8 hat er bewusst mit einem niedrig verwandten Hengst kombiniert. „Bei all diesen Stempelhengsten wie Beart 411, Tsjalle 454 und Norbert 444 will ich gern recht unverwandte Hengste gebrauchen, weil ich es sonst kommen sehe, dass wir uns festfahren.“

Fortschritte bei der Bereitstellung von Informationen gemacht

Neben dem enthusiastischen Züchter ist Jan seit Anfang 2021 Vorsitzender des Zuchtrates. „Wir haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte in der Bereitstellung von Informationen rund um die Zucht gemacht“, gibt er an. Er nennt die Bereitstellung der Tests auf die erblichen Missbildungen Wasserkopf und Zwergwuchs im Jahr 2014 einen wichtigen Meilenstein. „Angeborene Missbildungen und Gesundheitsprobleme bei Friesenpferden kommen eigentlich bei jeder Versammlung des Zuchtrates auf den Tisch.“ Das beschäftigt die Menschen und somit auch den Zuchtrat. „Man will eigentlich auch so schnell wie möglich einen Test auf Aortenruptur, Ekzem und Speiseröhrenerweiterung“, fasst er die Wünsche in Worte. „Das sind allerdings Krankheiten, die keinen einfachen Erbgang haben, es braucht also mehr wissenschaftliche Untersuchungen, um tiermedizinisch zuverlässige Tests machen zu können. Wir machen Schritte vorwärts, es steht konstant auf der Agenda, aber es ist ein langwieriger Prozess.“

Niedrig verwandte Hengste

Die Wahl niedrig verwandter Hengste ist dann doch eine der Maßnahmen, die Züchter selbst ergreifen können in dem Streben, so gesunde Fohlen wie möglich zu züchten, folgert er für seine eigene Zucht. „Durch die Tools auf der Website des KFPS haben wir ein sehr professionelles Hilfsmittel, um die besten Hengste auszusuchen.“ Der Gesamt-Index, bei dem auch der Verwandtschaftsgrad eingearbeitet ist, ist auch so ein Beispiel eines guten Hilfsmittels. „Das hilft, wenn man in seiner Zucht die Breite erhalten will. Mit Hengsten wie Omer 493 und Wibout 511 haben wir niedrig verwandte Hengste, wo aber auch Zuchtkraft in der Linie steckt. Denn niedrig verwandt ohne Leistung bringt natürlich nichts. Wenn es aber mit einem niedrig verwandten Hengst glückt, ist es besonders schön.“ Übrigens, Zuchtwerte sind ein Hilfsmittel, betont er. „Man kennt seine eigene Stute, hat ein Gefühl bei dem Hengst und weiß, worauf man die Akzente setzt, und dann sieht man noch mit einem Seitenblick auf die Zuchtwerte, ganz gewiss bei einem jungen Hengst, von dem noch wenig bekannt ist.“

Hengstleistungsprüfung verkürzen?

Und ja, auch Vriend wählt jüngere Hengste.“Das ganze Leben geht schneller, die Zucht auch.“ Kann es auch zu schnell gehen? Das ist eine Frage, die der Zuchtrat im kommenden Sommer angeht. „In der Dressur finden wir ein Pferd von acht oder neun Jahren jung. Wir finden drei Jahre jung.“ Die Untersuchungen der Belastung der jungen Hengste, im letzten Herbst begonnen, werden wissenschaftlichen Halt geben. „Bei den Vorführtagen sieht man, dass die Hengste schon im jugendlichen Alter stark belastet werden, sie sind gerade drei Jahre alt. Dann kommt noch eine HLP von 70 Tagen hinterher. Es geht darum, Veranlagung einzuschätzen, nicht, ein vollständiges Sportpferd abzuliefern. Gefühlsmäßig denke ich schon, dass die HLP kürzer sein könnte, jetzt, wo wir mehr Betonung auf die Vorführtage legen.“