Messen ist wissen: Immunstatus beim Fohlen

'Tekort aan antilichamen kan ook ontstaan wanneer de merrie weinig biest heeft, biest van matige kwaliteit óf wanneer er al veel biest verloren is gegaan vóór de partus'. (Foto: Marije de Jong)

Am frühen Morgen wird die Assistentin unserer Praxis Dier-N-artsen in Oosteind, Nord-Brabant, von einem der Stammkunden angerufen. Seine Stute brachte in der Nacht zuvor ein gesund aussehendes Hengstfohlen zur Welt. Die Geburt verlief ohne Probleme, die Nachgeburt war innerhalb von zwei Stunden herunter, das Fohlen stand rasch auf und beherrschte bald das Trinken bei der Stute. Aber es ist sein erstes Fohlen aus eigener Zucht und er geht lieber auf Nummer sicher: Er möchte, dass ein Tierarzt vorbeikommt, um das Fohlen zu untersuchen. Dieser Termin ist etwas später am Tag angesetzt und so fahre ich am Nachmittag zu dieser Adresse.

Munteres und aufmerksames Fohlen

Dort angekommen sind Mutter und Fohlen schon drinnen, sodass wir sie bequem untersuchen können. Ich untersuche das fast einen Tag alte Fohlen zunächst klinisch: ein munteres und aufmerksames Fohlen ohne Auffälligkeiten. Ich weise darauf hin, dass es sinnvoll sein kann, eine Blutprobe zu nehmen, die können wir in der Praxis leicht auf die Menge der Abwehr (Antikörper) überprüfen. Es ist wichtig, dass dieser Wert ausreichend hoch ist: Ein Fohlen mit einem schwachen Immunsystem ist anfällig für bakterielle und/oder virale Infektionen. Fohlen werden ohne Antikörper geboren; also ohne Schutz. Sie sind vollständig auf das Kolostrum der Stute angewiesen, um Widerstandskraft gegen Krankheiten aufzubauen. Fohlen bauen ein Immunsystem auf, indem sie am ersten Lebenstag Antikörper aus dem Kolostrum über die Darmwand aufnehmen. Dies ist die maternale Immunität (erhalten von der Stute). Die körpereigene Immunität ist erst etwa im Alter von sechs Monaten voll wirksam.

Blutproben

Der Besitzer erklärt sich bereit, eine Blutprobe nehmen zu lassen, und diese wird in der Praxis auf einen bestimmten Wert getestet, der die Abwehrlage des Fohlens in diesem Moment widerspiegelt. Es stellt sich bald heraus, dass die Menge an Antikörpern im Blut dieses Fohlens nicht ausreicht; die Widerstandskraft ist daher gering und das Risiko und die Anfälligkeit für Infektionen sind größer. Durch die Gabe von Hyperimmunplasma kann bei solchen Fohlen das Immunsystem verbessert werden. Hyperimmunplasma ist steriles Plasma von gesunden Pferden mit einer starken Immunabwehr; dieses Plasma ist also vollgepackt mit Antikörpern. Ich habe mich telefonisch mit dem Eigentümer beraten und die Entscheidung war schnell getroffen. Der Besitzer möchte, dass wir dem Fohlen einen Beutel Plasma geben. Ein Beutel Plasma ist aufgetaut und begleitet mich, wenn ich zum zweiten Mal an diesem Tag zu diesem Fohlen hinfahre.

Plasma-Infusion randvoll mit Antikörpern

Dort angekommen sorgen wir für einen sauberen Platz im Stall und machen das Fohlen etwas schläfrig, damit wir es eine Weile ablegen können. So können wir die Infusion ruhig und sauber verabreichen. Die Plasmainfusion wird vorsichtig durch einen Katheter in das Blutgefäß im Hals verabreicht. Während der Plasmabeutel in das Fohlen läuft, beobachte ich das Fohlen genau. Der Besitzer hat auch einige Fragen. „Wie kann es sein, dass mein Fohlen zu wenig Immunität hat? Es muss gut getrunken haben..?“ Ich erkläre ihm, dass ein Mangel an Antikörpern tatsächlich durch Fohlen verursacht werden kann, die kein (oder genug) Kolostrum trinken. Der Mangel kann aber auch eine Ursache bei der Stute haben, zum Beispiel, wenn die Stute wenig Kolostrum, Kolostrum von mäßiger Qualität hat oder wenn bereits vor der Geburt viel Kolostrum verloren gegangen ist. Es muss also nicht immer mit einem Fohlen zu tun haben, das schlecht trinkt. Hinterher erkennt der Besitzer, dass die Stute tatsächlich schon viel Milch hat laufen lassen hat, bevor das Fohlen geboren wurde. Vielleicht ist das die Ursache.

Ausreichende Abwehr

Wenn der Plasmabeutel leer ist, wird der Katheter entfernt und dem Fohlen wird wieder auf die Beine geholfen. Ich vereinbare morgen einen Termin für eine weitere Blutentnahme beim Fohlen, da oft ein Beutel Plasma ausreicht, aber messen heißt wissen! Glücklicherweise ist am nächsten Tag die Menge an Antikörpern beim Fohlen schön angestiegen und es gibt keinen Grund, einen zweiten Beutel Plasma zu verabreichen. Der Besitzer ist beruhigt und froh, dass er auf Nummer sicher gegangen ist, um unter anderem eine Blutprobe seines neugeborenen Fohlens entnehmen zu lassen. Beim nächsten Mal würde er es auf jeden Fall wieder machen, denn er hat jetzt auch gelernt, dass nicht nur schlecht trinkende Fohlen ein geschwächtes Immunsystem haben können.

Vorheriger ArtikelWorkshop Hufschmieds Hilbert Lemstra
Nächster ArtikelVerlässliche Daten