Obe Mous: „Ich liebe Pferde mit Musik“

Es hat nur wenig gefehlt, und der taufrische Züchter des Jahres 2019 hätte es selber nicht miterlebt. Am Samstagmorgen der Hengstkörung, dem Tag, an dem bekannt gegeben werden sollte, dass er den Züchterpreis verdient hatte, bekam Obe Mous einen Herzinfarkt. Zum Glück hatte er einen Schutzengel auf seiner Schulter und konnte mittags von seinem Krankenhausbett die Hengstkörung im Fernsehen weiter verfolgen. „Es hat einen Schlag getan, aber ich fühle mich wieder wie neugeboren.“

Fan de Klaster

Obe Mous hat mit seiner Frau Grietsje, seinem Sohn Klaas und dessen Frau Marjolein einen Milchviehbetrieb mit 85 Kühen und sechzig Hektar Land. Da stehen auch die Friesenpferde, von denen die meisten auf den Stallnamen ‚Fan de Klaster‘ hören. Das ist eine Straße in Hemelum, die nach einem russisch-orthodoxen Kloster benannt wurde. Der Vater von Obe Mous hatte nichts mit Pferden am Hut. Und doch kam 1968 ein Pferd auf seinen Hof, als sein fünfzehnjähriger Sohn Obe einen einjährigen Stier gegen ein Friesenfohlen eintauschte. Das Fohlen war Wilma Veulenboek (Kaey 227), die wegen einer weißen Fessel nie ins Stammbuch aufgenommen wurde. Wilma hatte sechs Nachkommen, alle von Ygram 240 (Mark 232).

Stamm 14

Obe Mous führt mit seinem Sohn Klaas nicht nur den Betrieb, sie teilen auch die Leidenschaft für den Fahrsport und die Zucht. Der Titel ‚Züchter des Jahres‘ ist deshalb auch ein wenig für Klaas. „Ehre, wem Ehre gebührt“, so Mous, der dem Stamm 14 immer treu geblieben ist. „Aus diesem Stamm kommen arbeitslustige und grundehrliche Pferde, wo Musik drin sitzt, und das liebe ich. Sie werden niemals für dich Donner schlagen, sind aber fröhliche Burschen.“ Sein erstes Pferd Wilma hat ein paar Fohlen gehabt. Eines davon war
Ljurkje Ster Preferent (Ygram 240). Sie ist die Stammmutter der erfolgreichen Zucht von Mous. Die 1975 geborene Lurkje ist Mutter von sieben Sternachkommen, worunter sich Fabiolaa Ster Preferent Prestatie (Reitse 272) befand. „Geld hatten wir nicht, aber mit ihr hatten wir ein gutes Pferd im Fahrsport. Ich trainierte selten mit ihr, und doch waren wir immer bei den Besten. Sie gab niemals auf!“ Leider ist sie zu früh gestorben, erwies sich aber auch als herausragende Zuchtstute. Von ihren sechs Nachkommen wurden drei Ster, und zwei Söhne wurden zu Stammbuchhengsten gekrönt: Ulke 338 und Karel 490.

Das ideale Friesenpferd

Das ideale Pferd von Mous muss in erster Linie einen feinen Charakter haben. „Kein Jämmerling, der nicht arbeiten will. Weiter muss es ein schöner Hengst sein, ein wenig elegant. Ich finde, Auwert 514 (Jehannes 484) kommt in die Nähe meines Ideals. Ich versuche, niedrige Verwandtschaftsgrade zu berücksichtigen, aber dann muss der Hengst schon nach was aussehen. Bevor ich mich weiter darin vertiefe, will ich einen Hengst erst sehen.“ Als Chipper und Vermesser des KFPS sieht Obe Mous viele junge Pferde, wie die Hengste der ersten Besichtigung. „Die erste Besichtigung ist für mich eine wichtige Körung, weil man dort eine ganze Gruppe Nachkommen eines Hengstes sehen und beurteilen kann.“

Abschied nehmen

Das vergangene Jahr war für die Zucht ‚Fan de Klaster‘ sehr erfolgreich mit unter anderem drei Sterstuten mit einer ersten Prämie, einem Hengst, der zur Leistungsprüfung angewiesen wurde und der Stute Marrit fan de Klaster Model Sport (Andries 415), die 2019 gleich drei Prädikate errang: Kroon, Model und Sport. In der achtjährigen Marrit, die nicht mehr im Besitz von Mous ist, klingt das Echo ihrer Urgroßmutter Fabiolaa durch.

Wieder wie neu

Wenn er in die Zukunft des Friesenpferdes blickt, ist Obe Mous nicht ganz entspannt. Als Vermesser musste er sein Stockmaß in den vergangenen Jahren immer höher einstellen, und das ist ihm zufolge keine gute Entwicklung. „Bei einem langen Hinterbein ist der Schenkel meist zu lang. Bei fehlender Kraft schieben sie das Hinterbein dann nach vorn, anstatt es gut hochzuheben. Davon müssen wir wegkommen. In diesem Jahr waren die Pferde, die ich gemessen habe, kleiner als in den vorhergehenden Jahren. Die Leute haben ihren Verstand wieder, hoffe ich.“
Eine andere Entwicklung, die ihm Sorgen macht, ist die Überalterung und die hohe finanzielle Schwelle, die es jungen Menschen schwer macht, in die Zucht zu gehen. „Für die meisten ist es finanziell nicht machbar. Da hilft es auch nicht gerade, dass die Kosten des Stammbuchs weiter ansteigen.“ Über seine eigenen Zukunftspläne sagt Obe Mous, während er auf sein Herz weist: „Solange das schlägt, machen wir weiter. Es ist wieder wie neu.“

Top 10 der Züchter des Jahres 2019

1. O. Mous, Koudum
2. Demro Stables, Mierlo
3. Familie Ensing, Diphoorn
4. W.E. Lokhorst, Ederveen
5. Familie Kruis, Heeg
6. D. Foeken, Bolsward
7. P. Okkema, Witmarsum
8. Mevrouw G. Oldenburger-Wessels,
Hooghalen
9. Th. Fopma, Gauw
10. W. Wijbenga, Veenwouden