YouTube-Hit: Friesian Horses

Mit mehr als 180.000 Followern auf YouTube hat Yvonne Horjus mit den Pferden ‚fan ‚e Goëngamieden‘ eine erfolgreiche ‚Reality Soap‘. „Mit jedem Tag 200 neue Follower“, sagt Yvonne, die schon 25 Jahren bei dem Züchter Rein Brandsma arbeitet. „Wir züchten Gebrauchspferde, sie müssen alles können.“

Ohne einen gut durchdachten Marketingplan wurde Friesian Horses ein Erfolg in den sozialen Medien. Vor rund zehn Jahren hat Yvonne Horjus einfach mal zum Spaß ein paar Videos über die Friesenpferde fan ‚e Goëngamieden, den Zuchtbetrieb des Immobilienmaklers Rein Brandsma, in dem sie seit 25 Jahren arbeitet, auf YouTube gepostet. „Eins führte zum anderen“, sagt sie nüchtern, aber auch immer noch überrascht, dass so viele Menschen dem Wohl und Wehe ihres Stalles folgen. „Vor zwei Jahren habe ich daraus Arbeit gemacht, jetzt haben wir über 180.000 Follower, und ich poste fast täglich ein Video. Es ist mittlerweile ein Tagesjob, und dank der Einnahmen von YouTube kann man sagen, dass ich es zu meiner Arbeit gemacht habe“, sagt die 37-Jährige, die schon ihr ganzes Leben mit Pferden arbeitet. Sie fing bei Brandsma an, sammelte Erfahrungen im Zuchtbetrieb ‚fan de Kromme Jelte‘ von Familie Jorritsma, arbeitete bei Bommelsteyn, Stal Wijdewormer, Ted Kop Jansen, Stal Sibma und bildete Pferde für die ABFP-Tests aus. „Ich litt aber an Rheuma und konnte die Arbeit mit den Pferden nicht mehr machen.“ Also suchte sie sich eine andere Arbeit und kam 2010 zu Rein Brandsma zurück, um wieder hobbymäßig Pferde zu reiten, nachdem sie ihre Rheumabeschwerden unter Kontrolle bekam. „Nicht zehn pro Tag wie früher, aber ein oder zwei klappt gut.“ So ritt Yvonne die Kroonstute Unique fan ‚e Goëngamieden Sport (Ulbert 390 x Brandus 345) vor einigen Jahren zum Sport-Prädikat. Reintje fan ‚e Goëngamieden startet sie in der Dressur der Klasse Z. „Wir sind gerade erst einen IBOP mit 79 Punkten geritten.“

Brav, brav, brav….

Der Makler züchtet seit fast 30 Jahren Friesenpferde. „Die Pferde sind mein Hobby, ich fühle mich so noch ein wenig wie ein Bauer. Das Erste und das Letzte, was ich jeden Tag mache, ist, bei den Pferden vorbeizuschauen“, so der 59-Jährige, der am Samstag mit seinem Team von Pferdepflegern die Kappe aufsetzt, um einen Ausritt oder eine Kutschfahrt zu machen. „Wir wollen ein brauchbares Pferd, das unter dem Sattel und vor der Kutsche gehen kann. Das Vergnügen steht an erster Stelle“, benennt Rein sein Zuchtziel. Jährlich werden zwischen fünf und zehn Fohlen geboren. „Das Ziel ist, einfach ein gutes Gebrauchspferd zu züchten, einen echten Friesen mit einem guten Charakter und viel Behang. Sie müssen brav, brav, brav sein“, wiederholt er.
Er merkt, dass der Fokus in der Zucht mehr auf dem Sport liegt. „Wir brauchen bei unseren Pferden immer weniger die Gerte. Aber der Sport ist nicht unser Zuchtziel.“ Prädikate schon. „Von den einfachen Pferden gingen wir immer mehr zum vollen Papier“, so Rein, der seinen Handelsgeist auch bei den Pferden einsetzt. Letztes Jahr ging noch ein Pferd nach Kanada, und auch in Amerika und Mexiko laufen seine Zuchtprodukte.
Die Hengstwahl ist ein umfangreicher Prozess, bei dem Yvonne eine Liste von Favoriten für jede Stute macht. „Wir wählen einen aus, hinter dem wir beide stehen.“ Rein folgt vor allem seinem Gefühl, Yvonne hat ein praktisches Computerprogramm für das perfekte Match gemacht. In Excel stellt sie die Zuchtwerte ihrer Stuten und die Zuchtwerte der in Betracht kommenden Hengste untereinander. „Wir laufen nicht dem Körungssieger hinterher“, geben Rein und Yvonne an. „Wir suchen nach anderen Blutlinien und am liebsten nach unverwandten Hengsten.“ Der Excel-Bestand berechnet die Zuchtwerte der Fohlen. „So kann ich auf einen Blick sehen, welcher Hengst die Schwächen der Stute kompensiert.“ Daneben kann sie den verschiedenen Merkmalen noch mehr oder weniger Gewicht beimessen. „Und auch Trägerschaften nehme ich hier mit hinein. Wir haben nur eine Stute, die Trägerin ist, und die halten wir natürlich frei.“ Am liebsten würden sie Hengste einsetzen, die frei von Erbkrankheiten sind. „Aber es ist noch zu früh, um überhaupt keine Träger zu gebrauchen. Dafür gibt es noch zu wenige solcher Deckhengste, und man würde sich letztlich wieder mit einem hohen Inzucht- und/oder Verwandtschaftsgrad festfahren, und auch eine Reihe sehr guter Hengste ausschließen.“

30-40% aus Amerika

Zurück zu den YouTube-Videos, die jeweils locker 15 bis 30 Minuten Sehvergnügen bereiten. „Wir haben eine sehr große Gruppe von Followern, die jeden Tag um Schlag vier Uhr auf das neue Video warten“, sagte die Bloggerin, die eine Familie mit zwei kleinen Kindern hat. Menschen auf der ganzen Welt sehen sich die Videos an. Zwischen 30 und 40 % kommen aus Amerika, mit 3-4 % ist die Gruppe der niederländischen Zuschauer begrenzt. „Ich habe bereits zwei Moderatoren, um alle Kommentare beantworten zu können“, sagt Yvonne. „Einen in Amerika und einen in Amsterdam. Sie kennen die Pferde fast noch besser als ich.“ Die Themen decken den Alltag auf dem Pferdebetrieb ab. Die natürlichste Sache der Welt für Pferdemenschen ist für die Anhänger von Friesian Horses mit #followtheherd etwas ganz Besonderes. Am beliebtesten sind die Geburten der Fohlen und das Aufweiden der (Jung-)Pferde, aber Yvonne macht auch Lehrvideos. Über den Pferdezahnarzt und den Hufschmied. „Die meisten Follower haben selber kein Pferd“, weiß sie. „Aber schon den Traum, einmal eines zu haben.“ Eigentlich kann man die Videos schon mit einer Reality-Soap vergleichen, ohne raffinierte Aufnahmetechnik und – das ist zweifellos der Reiz – ohne versierte Schauspieler, aber mit namentlich genannten Pferden, wodurch die Zuschauern eine Verbindung zur Pferdefamilie bekommen. „Dadurch fühlen sie sich auch ein bisschen wie Pferdebesitzer.“

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